Krankenpflegeschule startet erfolgreich erstes Nachtwachenprojekt

Gewöhnung an den Schichtdienst: Eine Nacht zum Thema Schlaf

Nachtdienste gehören in den Pflegeberufen meist zum Alltag, jedoch eher zu den weniger angenehmen Pflichten. Die Schülerinnen und Schüler der Würzburger Krankenpflegeschule der Schwesternschaft München vom BRK e.V. sind jetzt erstmals im Rahmen eines Nachtwachenprojekts behutsam an das Thema herangeführt worden und können ihren ersten nächtlichen Einsätzen, die vom 1. April an auf sie warten, gelassener entgehen sehen.  
Denn nach dem Ende der ersten Ausbildungshälfte dürfen Pflege-Azubis während ihrer Praxiseinsätze auch für Nachtdienste eingeplant werden.

tl_files/content/berufsfachschulen_microsite/bfs-krankenpflege-wuerzburg/images/160222KraPflWueNachtwache_2.jpgUm die Schülerinnen und Schüler auf diese neue Erfahrung möglichst gut vorzubereiten, setzte die Krankenpflegeschule der Schwesternschaft München vom BRK e.V. auf „Eine Nacht zum Thema Schlaf“ und erarbeitete mit dem Kurs des 2. Ausbildungsjahres im Rahmen des sogenannten Nachtwachenprojekts nicht nur Tipps und Tricks, die die Nachtarbeit erleichtern, sondern auch ganz grundsätzlich das Procedere für den nächtlichen Dienst. Das Besondere an der Unterrichtseinheit: Sie begann erst am späten Donnerstagabend um 21 Uhr und endete wie eine reguläre Schicht am nächsten Morgen gegen acht Uhr.

Das Projekt ist ein wichtiger weiterer Baustein, um die Auszubildenden in ihrem Beruf sattelfest zu machen. Werden sie frühzeitig im Rahmen ihrer Pflegeausbildung auf den Schichtdienst vorbereitet, können sie später auch die nächtlichen Einsätze besser in ihre Routinen einbinden. Praxisbegleiterin Ursula Väth, die die Idee zum Projekt hatte und es in die Tat umsetzte, strukturierte die „Nacht zum Thema Schlaf“ analog zu einem tatsächlichen Nachtdienst auf Station. Zunächst gab es Informationen zum Ablauf und den Verantwortungsbereichen einer tl_files/content/berufsfachschulen_microsite/bfs-krankenpflege-wuerzburg/images/160222KraPflWueNachtwache_1.jpgNachtwache. Anschließend bekamen die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, sich mit den diensthabenden Nachtwachen in der gegenüber der Schule gelegenen Rotkreuzklinik auszutauschen und vor Ort schon mal die nächtliche Stationsatmosphäre live zu erleben. Wieder zurück in der Schule wurde gemeinsam reflektiert, vor allem aber mit Konzentrationsübungen die einsetzende Müdigkeit bekämpft. „Unsere ‚Nacht zum Thema Schlaf‘ war für uns alle eine neue Erfahrung. Insgesamt war es ein ebenso anstrengendes wie interessantes Projekt. Die Schüler haben gut mitgemacht, und der Besuch bei den Nachtwachen war sehr informativ“, freute sich Väth über den Erfolg ihres Projekts.

Mit der positiven Beurteilung stand Ursula Väth nicht alleine da. Auch die Schülerinnen und Schüler werteten die Erfahrung im Rückblick positiv. Pflegeschüler Bernhard Geyer ist sich sicher, zukünftig von den nächtlichen Erfahrungen profitieren zu können: „Es war für den ganzen Kurs sehr interessant, teilweise auch lustig, aber während der Nacht gab es schon mehrere Tiefpunkte. Und am Morgen war die Konzentration nur noch mit Mühe aufrechtzuerhalten. Wir können jetzt auf jeden Fall viel besser einschätzen, was uns erwartet.“

Würzburger Schlafstudie

Wie gut schläft man in der Klinik?

Schläft man im Krankenhaus wirklich schlechter?, fragten sich Schülerinnen des Kurses 09/12 der BFS für Krankenpflege Würzburg. Die für ihren Forscherdrang mittlerweile bekannte Würzburger Schülerschaft beschloss kurzerhand, eine Studie im Bereich der Grundlagenforschung anzustellen. In ihrer Arbeit gaben sie zunächst einen Überblick zum Thema Schlaf, der aktuellen Forschungslage und zur Schlafhygiene. Im nächsten Schritt ermittelten sie Gründe für eine veränderte Schlafqualität im Krankenhaus, um eventuell in einer Folgestudie die Einflussnahme von pflegerischen Interventionen auf die Schlafqualität experimentell zu untersuchen.

Für die Forschungsarbeit erarbeiteten die sieben Schülerinnen, beraten von stellvertretendem Schulleiter Stefan Kolbert, zuerst einen ausführlichen Fragebogen zur Analyse der Schlafqualität. Neben allgemeinen Angaben zur Person enthielt der Bogen Fragen zu persönlichen Schlafgewohnheiten, einen direkten Vergleich zur Schlafqualität im Krankenhaus sowie mögliche Störfaktoren. Von den in vier Krankenhäusern in verschiedenen Städten ausgeteilten Bögen erhielten die jungen Forscherinnen 67 Prozent auswertungsfähige zurück. Befragt wurden Patienten aller Altersgruppen, die zum Zeitpunkt der Befragung mindestens eine Nacht im Krankenhaus verbracht hatten und in der Lage waren, den Bogen selbstständig  zu bearbeiten.

Das Hauptergebnis der Analyse ist: Im Krankenhaus schläft man definitiv schlechter als in gewohnter Umgebung! Auf der Suche nach Störfaktoren allerdings stellte sich heraus, dass Schlaf ein derart multifaktorielles Ereignis darstellt, dass es so gut wie unmöglich ist, Ursachen für die Qualitätsverschlechterung isoliert zu erkennen. Die häufigsten Gründe für den als schlechter empfundenen Schlaf waren für 37 Prozent der Befragten Störungen durch Mitpatienten, 27 Prozent litten an Ängsten und Aufregung vor Untersuchungen oder Operationen und 38 Prozent fühlten sich durch Schmerzen beeinträchtigt. Besonders herausragend für alle an der Pflege Beteiligten war die Erkenntnis, dass sich die Patienten nur in seltenen Fällen durch die Arbeit der Nachtwache in ihrem Schlaf beeinträchtigt fühlen. In Bezug auf mögliche pflegerische Angebote kann sich beinahe jeder Zweite der Versuchsteilnehmer vorstellen, dass entsprechende pflegerische Maßnahmen zur Verbesserung der persönlichen Schlafqualität beitragen können.

Dieses Teilergebnis stellt einen wichtigen Ansatzpunkt für weitere Nachforschungen im Bereich „pflegerische Interventionen“ dar. Denn gerade im Krankenhaus, in dem Schlaf einen so wichtigen Beitrag zur Rekonvaleszenz darstellt, wird er noch viel zu oft als unbeachtetes Stiefkind in der Ablauforganisation gesehen. Die Forschergruppe, bestehend aus Jana Key, Natalie Brehm, Ramona Heer, Annalena Müller, Kirsten Götschel, Anna Göbel und Kerstin Weis, ist der Meinung, dass der Stellenwert des gesunden Schlafes im Krankenhaus verstärkt in den Fokus des Interesses gerückt werden muss und, dass pflegerische Angebote diesbezüglich noch weiter ausgebaut werden müssen.

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Biografische Bezüge von Pflegenden

Pflegeschüler forschen in den eigenen Reihen

Der Mittelkurs 08/11 der Würzburger BFS für Krankenpflege untersuchte in einem Forschungsprojekt "Biografische Bezüge von Pflegenden". Mittels eine quantitativen Fragebogens ging die Gruppe den Fragen nach: Weisen Gesundheits- und Krankenpflegekräfte Besonderheiten in ihrer Identität auf? Gibt es hinsichtlich der Biografie Tendenzen mit Patienten besonders bzw. anders umzugehen? Haben Pflegekräfte Möglichkeiten und Strategien entwickelt, mit dem hohen Stresspotential ihres Berufes umzugehen?

Die Schüler verteilten 400 Fragenbögen an Examinierte und Schüler verschiedener Häuser und können sich über einen Rücklauf von 307 Bögen (!) freuen.

Hier ein kurzer Auszug der Ergebnisse:
Von den Befragten hatten 56 % die Mittlere Reife und 33 % einen höheren Schulabschluss. Für 73 % stellte die Pflege den Wunschberuf dar. 44 % gaben an, nicht so pflegen zu können, wie sie selbst gepflegt werden möchten. 32 % würden heute einen anderen Beruf wählen. 80 % der Teilnehmer fühlen sich zuweilen überlastet bzw. erkennen Überlastungsanzeichen; dabei kennen lediglich 70 % Gegenstrategien.

Projektsprecherin  Johanna Ortloff zieht u. a. das Resümee, dass der Anspruch gut zu pflegen von dieser hoch motivierten Berufsgruppe in vielen Fällen nicht in die Wirklichkeit umgesetzt werden kann. Es darf vermutet werden, dass dies letztlich einer sich ständig veränderten Krankenhausstruktur mit immer kürzeren Verweildauern von Patienten und sehr hohem Kostendruck auf die Krankenhäuser geschuldet ist, der z. T. neben dem Patienten auch auf dem Rücken der Pflegekräfte ausgetragen wird und sich letztendlich auch in der Qualität der Pflege widerspiegeln muss.

Download Forschungsbericht "Biografische Bezüge von Pflegenden"